EVOKED ECLIPSE – The Cries Of Evil (2026)

Band: EVOKED ECLIPSE
Album: The Cries Of Evil
Genre: Black Death Metal
Label: My Kingdom Music

Trackliste:
01. Enchantment
02. The Cries Of Evil
03. Land Of The White Spirit Lady
04. Mournishments
05. The Watch Of Spirits
06. Drops Of Blood
07. Illusions Of The Life
08. Ascension

Es gibt Musik, die nicht für den Sommer geschrieben wurde. Musik, die den Atem verlangsamt, die Farben aus der Welt zieht und sie in Grautöne taucht. Wenn Nebel zwischen kahlen Bäumen hängt und der Himmel sich tagelang gegen das Durchbrechen einzelner Sonnenstrahlen wehrt, dann ist Raum für EVOKED ECLIPSE. Hinter diesem melodischen Black-Metal-Projekt steht der Italiener Massimo Mazza, der die melancholischen Stimmung, zwischen nordischer Schwermut, düsterem Death und einem Hauch Doom in Musik gießen will. Mit seinem Debüt The Cries Of Evil legt er acht Stücke vor, die in gut 33 Minuten in diese Klangwelt mitnehmen.

Von den ersten Tönen an liegt über The Cries Of Evil ein grauer Schleier, als würde Nebel durch trostlose Wälder kriechen. Die Melancholie ist das leitende Gefühl, keine aggressive Kälte, keine beißende Froststarre – nicht wirklich kalt, aber lässt dennoch frieren. Die Gitarren bilden kühle Tremolo-Linien, darüber die Vocals, ein kehliges Rufen durch den Wald. Zarte Interludes wie „Mournishments“ nehmen bewusst Tempo heraus, sodass die Wucht des folgenden „The Watch Of Spirits“ doch überrascht, wenn der Song stürmisch und drängend ausbricht. Inmitten dichter Riffwände sind es kleine aufflackernde Harmonien und Melodien, die an die große skandinavische Schule erinnern, wenn auch diese Schuhe zu groß für den Italiener sind und eine Vergleich ungerecht wäre. Dennoch: die Melodien tragen eine melancholische Schwere, vermitteln aber immer auch Lebendigkeit und Hoffnung. Besonders in den Midtempo-Passagen entsteht dadurch eine wogende Dynamik, ein Gefühl von Bewegung und Lebendigkeit, wie die Hoffnung und das Wissen, dass nach jedem unfreundlichen Winter auch wieder ein Frühling kommt.
Die Produktion unterstützt diesen Charakter weitgehend. Es ist ein erdig, rauer Sound, aber doch klar genug, um Details hörbar zu machen. Technisch bewegen sich EVOKED ECLIPSE auf sicherem Terrain, solide Handarbeit, ohne große Experimente. Die Gitarrenarbeit ist präzise, die Leads sauber phrasiert, das Schlagzeug variabel zwischen Blastbeats und getragenen Rhythmen. Die Gitarren sind im Mix etwas zu dominant, während der Bass oft das Nachsehen hat und im Fundament verschwindet, dabei böte er eigene Linien, die dunkle Kontrapunkte zu verdichteten Harmonien setzen können.

Fazit:
The Cries Of Evil ist ein solides Debüt, das vor allem auf Atmosphäre setzt. Stellenweise werden Erinnerungen an skandinavische Größen des melodischen Black und Death wach, dennoch besitzt es genügend Eigenständigkeit, um nicht im Schatten der Vorbilder zu verschwinden. Es ist gut hörbar, atmosphärisch gelungen, handwerklich sicher, wenn es auch nicht wirklich überraschen oder begeistern vermag.

Punkte:

Autor: distelsøl