Band: DVM SPIRO
Album: MMXXVI – Grave
Genre: Atmospheric Doom/Death Metal
Label: My Kingdom Music
Trackliste:
01. Preludio
02. Indistinta Morte
03. Dissentimento
04. Troppo Lente Scendono Le Tue Lacrime
05. Insoluto D’Anima
06. Alla Fine

DVM SPIRO ist das ambitionierte Projekt erfahrener Musiker um Massimo Curro, Roberto Ripollino und Valeria De Benedectis, die bereits seit den 1990ern bei NIHILI LOCUS aktiv sind. Mit Grave legen die Italiener ihr zweites Album vor: 73 Minuten Atmospheric Doom, angereichert mit starken Melodien, weiblichem Gesang, tiefen Growls – und ungewöhnlichen Farbtupfern wie einer Ukulele.
Handwerklich ist das alles über jeden Zweifel erhaben. Schwere Riffs, tragende Cleans und harsche Vocals verschmelzen zu einem dichten Klangbild, das konsequent in Richtung Abgrund strebt. Die Produktion ist ausgewogen, die Dynamik zwischen leisen und mächtigen Passagen sorgfältig ausbalanciert. Immer wieder gelingen Momente, in denen Melodien aufblitzen und berühren, die eine oder andere kreative Idee auffällt, die eine oder andere unerwartete Wendung oder dissonante Verschiebung erkennbar ist.
Und doch bleibt eine Distanz.
Was ich als Reise in die Tiefe erwarte, verharrt zu oft in statischer Schwermut, in Grabesruhe. Die Songs verlieren sich in repetitiven Passagen, entwickeln ihre Ideen nicht weiter, erzählen keine Geschichte, sondern kreisen um sich selbst. Wo große Doom-Alben Länge zu nutzen wissen, Dynamik entwickeln, die Hörerin verschlingen, bleibt Grave zu oft in einer Art statischer, leidender, mitunter gar jammernder Trauer – nicht unbedingt elegant, sondern ermüdend. Die Tracks verlieren sich zu häufig in sich selbst, ohne die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten oder die gute kreative Idee weiter zu entwickeln, die Geschichte zu erzählen. Die berührenden Momente kommen zu selten, haben keine Wirkung, mir erscheint es mehr wie Maskerade und Kulisse, denn authentische Berührung. Die langen, repetitiven Abschnitte, dümpeln eher bedächtig vor sich hin, kommen nicht recht von der Stelle, statt eine wirkliche dramatische Entwicklung zu entfalten.
Es gibt Momente, die berühren, Momente, die aufhören lassen, über das Album hinweg aber, wird Grave einfach nur anstrengend, ja mehr noch, verführt mich Songs zu skippen oder die Listening Session gänzlich abzubrechen.

Fazit:
Grave ist ambitioniert, atmosphärisch dicht und handwerklich solide – aber zu oft verliert es sich in Länge und Breite, ohne die emotionale Verbindung herzustellen, die ich mir von einem Album dieses Formats erwarte. Ein Album, das mehr durch Konzept als durch unmittelbare Emotionalität beeindruckt – und gerade darin seine größte Schwäche offenbart. Für Freunde von Ambient Doom sicher hörenswert, für andere zu lang, zu langatmig und zu wenig fesselnd.
Punkte:
Autor: distelsøl
