DELIVERANCE – The Voyager Golden Banquet (2026)

 

Band: DELIVERANCE
Album: The Voyager Golden Banquet
Genre: Sludge/Black Metal
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions

Trackliste:
01. Hellisual
02. Chasing the Dragon
03. Headspace Collapse
04. Turn On, Tune In, Drop Out
05. As Above, So Below
06. Ground Zero
07. The Banquet – Part 1
08. The Banquet – Part 2

Es klingt ein wenig wie ein Trash-Science-Fiction-Film aus den 1970-ern: The Voyager Golden Banquet. Aber weit gefehlt, tatsächlich handelt es sich um das bereits vierte Album der Franzosen DELIVERANCE und doch ist es sowas wie eine interstellare Reise. Auf knapp 43 Minuten sprengt das Quartett künstlerische und musikalische Grenzen. Black Metal/ Sludge bilden zwar immer noch das Herz der Musik, mit Elementen aus Post- und Progressive Rock, Psychedelia aber auch Electro oder Indie-Rock werden die gewohnten und vertrauten Hörgewohnheiten allerdings herausgefordert. Wie das gelingt? Hören wir rein.

Schon nach dem ersten Hördurchgang wird deutlich, dass es sich hier um ein ganz besonderes Album handelt, es ist nicht bloß eine Erweiterung des Stils von DELIVERANCE, vielmehr entwickelt sich vor den Ohren der Hörerin ein eigener Kosmos, eine Parallelwelt, mit unendliche Weiten und enormen Gravitationskräften. Klassische Spannungsbögen? Fehlanzeige, vielmehr entfalten sich die Songs, kreisend, atmend, kollabierend. Mächtige, schwere Gitarren tauchen aus dichten Nebelschichten auf, dünnen aus und verlieren sich wieder in hallenden Synthieflächen. Dazu wälzt sich ein unaufhaltsamer maschinenartiger Puls voran. Immer wieder öffnen sich dabei Räume von beinahe meditativer Schwerelosigkeit, nur um kurz darauf von massiven Sludge-Wänden verschlungen zu werden. Doch selbst diese Momente sind weniger aggressiv, als vielmehr der Klang des Auseinanderbrechens, des Kontrollverlusts. Bei all dem gelingt es DELIVERANCE auch noch Atmosphäre zu schaffen, die mehr als nur eine thematische Kulisse ist. The Voyager Golden Banquet besitzt tatsächlich eine spürbare räumliche Tiefe und eine bemerkenswerte untendenziöse emotionale Vieldeutigkeit.
Die Produktion verstärkt dieses Gefühl zusätzlich. Trotz ihrer enormen Wucht bleibt die Musik eigentümlich durchlässig. Zwischen den Instrumenten existiert ständig Raum in dem elektronische Texturen flackern, Stimmen verhallen und Gitarren wie ferne Sternenstürme aufflammen. Gerade diese Offenheit verhindert, dass das Album jemals in bloßer Dichte erstickt und die Hörerin ob der schieren Wucht, mit der sie konfrontiert ist, erschöpft aufgeben muss. Stattdessen entsteht ein Sog, der weniger auf einzelne Höhepunkte setzt als auf Vereinnahmung.
Der zweiteilige Closer „The Banquet“ bündelt schließlich sämtliche Motive der Platte: Hoffnung, Erschöpfung, Auflösung, endlose Weite, undurchdringliche Dichte. Die Musik verliert zunehmend ihre Konturen, driftet in abstrakte Klangflächen, nur um plötzlich wieder von schweren Riffs erfasst zu werden. Es wirkt, als würde das Album sich selbst langsam auflösen. Und dann .. dieses abrupte Ende. Plötzlich, unerwartet, gnadenlos und unvollendet – wie von einem schwarzen Loch verschluckt. Doch gerade dieses unvollendete Gefühl passt zu diesem Album, hat es doch nie versprochen, ein Ziel zu erreichen und manchmal ist Orientierungslosigkeit genau jenes Gefühl, das am besten in den Moment passt..

Fazit:
DELIVERANCE legen mit The Voyager Golden Banquet ein faszinierendes Album vor, das einen ganz eigenen Kosmos entwickelt. Der Black Metal/ Sludge-Kern wird kunstvoll mit Elementen aus Post- und Progressive, Psychodelia oder auch Electro erweitert. Die Produktion kommt mit einer Wucht daher, die atemberaubend ist und trotzdem ausreichend Raum lässt, in dem man sich verlieren kann. Eine absolute Hörempfehlung für alle, die sich auf eine Reise in einen unbekannten Kosmos begeben wollen.

Punkte:

Autor: distelsøl