CHAO ABYSSI – Rößel 1811 (2025)

   

Band: CHAO ABYSSI
Album: Rößel 1811
Genre: Black Metal
Label: Under The Sign Of Garazel Productions

Trackliste:
01. …
02. Chaosdom
03. Rößel 1811
04. …
05. Ceremony Of Appreciation
06. Apoteoza nienawiści

Nach ihrem ersten Studioalbum liefern die melodic-raw-Black-Metaller von CHAO ABYSSI mit Rößel 1811 bereits ihr nächstes Werk ab. Ob meisterhaft oder nicht, darüber lässt sich streiten. Fest steht jedoch: Die zwei Polen, deren Gründungsjahr im Dunkeln liegt, präsentieren eine EP, die ohne Weiteres aus der großen Burzum-Ära stammen könnte – orientiert an genau jenem Stil, der Brutalität, Einfachheit, Gewalt und dennoch atmosphärische Melodieführung miteinander verzahnt.

Die Platte startet mit dem absolut unkreativen Opener „…“. Ja, er heißt tatsächlich so – und passender könnte es kaum sein, denn hier passiert im wahrsten Sinne des Wortes: nichts. Ein Füllstück, das wohl die typische Black-Metal-Arroganz instrumental transportieren soll, aber angesichts dessen, was danach folgt, schlicht deplaziert wirkt.

Denn „Chaosdom“ holzt ohne Vorwarnung los, mit messerscharfem Geballer und kaum nennenswerter Instrumentalistik, dafür mit umso mehr Blast aus allen Lautsprechern. Das Mastering schluckt nahezu jedes Instrument und gleich mit dazu die Vocals. In den fast acht Minuten schaffen es CHAO ABYSSI dennoch, einzelne – wenn auch kraftlose – Melodiebögen zu ziehen, die jedoch durch ungeschickt gesetzte Tempobrüche unterminiert werden, bevor sie überhaupt Spannung aufbauen können.

Ähnlich gestaltet sich „Rößel 1811“, wenn auch in angenehmerem Tempo und noch deutlicher im Burzum-Stil verankert. Wäre das Mastering nicht derart dreckig, ließe sich hier tatsächlich Atmosphäre erkennen. Neben tief gestimmtem Tremolo-Geschrubbe tauchen ein paar sauber gespielte Gitarrenpassagen auf, gegen Ende sogar der Ansatz eines Solos – allerdings vollständig im Potpourri des Mixings begraben.

Das Mittelstück der EP trägt denselben kreativen Namen wie der Opener: „…“. Auch hier passiert zunächst nichts – zumindest musikalisch. Interessant ist jedoch, dass diese Interludien so gemastert sind, dass die verwendeten Synths und künstlich belebten Klangspielereien erstaunlich klar herausstechen. Dieses „Nichts“ erfüllt immerhin seinen Zweck: eine kurze Verschnaufpause, bevor es weitergeht.

Mit „Ceremony Of Appreciation“ kratzt die EP gnadenlos am Trommelfell. Klanglich erinnert die Nummer weniger an Black Metal, sondern eher an einen Zahnarztbohrer oder eine Hilti, die sich in Beton frisst. Trotz des im Hintergrund vergrabenen Gitarrenparts fehlt es komplett an Raffinesse – jener essenziellen Zutat im Raw Black Metal, die das Grobe, Schrundige und Ungehobelte erst zu echter Kunst erhebt.

Dass CHAO ABYSSI dieses Handwerk sehr wohl beherrschen, beweisen sie ausgerechnet im Closer „Apoteoza nienawiści“. Hier stimmt endlich alles: Takt- und Tempowechsel, hörbare Vocals, dreckiges, aber funktionierendes Mastering, Atmosphäre zwischen stiller Bedrohung und gnadenlosem Geballer, dazu melodisch schöne Gitarrenparts. An diesem Punkt fragt man sich unweigerlich, warum diese Qualität nicht von Anfang an durchgezogen wurde.

Fazit:
Rößel 1811 ist keine durchgehend starke EP – aber sie ist ein interessantes Dokument. CHAO ABYSSI zeigen hier zwei Gesichter: eines, das stumpf lärmt, ohne Ziel, und eines, das genau weiß, wie roher Black Metal klingen muss, um fesselnd zu sein. Hätte die Band jene Klasse, die im letzten Track aufblitzt, konsequent kultiviert, wäre diese Veröffentlichung ein echter Geheimtipp geworden. So bleibt sie ein zwiespältiges Werk – roh, ambitioniert, stellenweise faszinierend, aber häufig an den eigenen Produktionsfehlern erstickend.

Punkte:

Autor: Nicki