ANIFERNYEN – Ex Tenebris Lux (2026)

Band: ANIFERNYEN
Album: Ex Tenebris Lux
Genre: Melodic Black/Death Metal
Label: Ethereal Sound Works

Trackliste:
01. Silentium Est Aureum
02. None Shall Be Denied
03. The Lost Word
04. Fortuna
05. Frustra
06. Ditesco Mori
07. Disciple Surpasses the Master
08. Virtue Lies Defeated
09. From Darkness Comes Light

Blackened Death Metal ist schon eine Kunst für sich – und zwar eine, die gerade Bands aus südlicheren Regionen wie Spanien und Portugal in den letzten Jahren immer stärker für sich entdeckt haben. Neben Vertretern des klassischen Schwarzmetalls wie den Virtuosen Corpus Christii und Acts aus der postig-alternativen Ecke – Stichwort Gaerea – liefern die fünf Jungs von ANIFERNYEN, die sich bereits 2003 zusammengefunden haben, feinsten, melodisch verspielten Blackened Death mit geschickter Melodieführung, gewaltigen Ausbrüchen und einzigartiger Instrumentalistik. Ein Sound, der nicht nur Fans von Old Man’s Child oder Sacramentum begeistern dürfte.

Das wird bereits beim Opener Silentium Est Aureum ihres zweiten Studioalbums Ex Tenebris Lux deutlich, der nach kurzem Intro sofort klassisch blackig in die Vollen geht, bevor mächtiges Gegrowle über bissigem Riffing und reißenden Blasts einsetzt. Der Spannungsbogen entwickelt sich durch geschicktes Spiel mit Takt- und Tempowechseln sowie gezielt gesetzten Breaks,die pure Dramatik und Tiefe erzeugen – ein absolut gelungener Start, der Lust auf None Shall Be Denied macht. Und auch hier schlägt das Herz jedes Blackened-Deathers höher: Die pfeilschnelle Nummer erinnert in ihren Grundzügen an ältere Werke von Shylmagoghnar, kommt jedoch härter und weniger melodisch daher. Technisch sauber gesetzte Basslinien, variantenreiches Blast-Drumming und starke Leads sorgen für eine kalte, aufwühlende und peitschende Atmosphäre.

Komplett anders in puncto Harmonien zeigt sich The Lost Word. Das Tempo bleibt hoch, doch der Spannungsbogen wird hier weniger über Tempo- und Taktwechsel, sondern vielmehr über Vocal-Variationen und gezielte Breaks aufgebaut. Trotz des stilistischen Unterschieds fügt sich der Track durch seine klare Linie und saubere Instrumentalarbeit stimmig in den Albumkontext ein.

Ob der vierte Track Fortuna so glücklich macht, sei dahingestellt. Hier zeigen sich erstmals Schwächen: Weniger ausgearbeitete Instrumentalistik, fehlender Melodiebogen und kaum vorhandene Dynamik lassen den Song im Vergleich zu den starken Vorgängern deutlich abfallen. Ein relativ langatmiges und deplatziertes Solo lockert das monotone Gehämmer nur bedingt auf – Fortuna mag die Göttin des Glücks sein, hier war sie jedenfalls nicht präsent.

Sofort entschädigt wird man jedoch mit Frustra und Ditesco Mori, die wieder auf das Niveau der ersten Tracks klettern. Beide überzeugen durch Individualität, starke Melodieführung, gezielten Spannungsaufbau und saubere Gitarrenarbeit sowie die strukturierte Brachialgewalt, die ANIFERNYEN bereits auf ihrem 2019 erschienenen Erstling Augur perfektioniert haben.

Mit Disciple Surpasses the Master folgen God Dethroned-Vibes mit einem Hauch Shylmagoghnar und vielleicht auch etwas Old Man’s Child, zumindest in puncto Marschtempo und Melodieführung. Gefühlt 350er-Blasts wechseln sich mit schweren Gitarren und fast hypnotischer Rhythmik ab, die das Tempo immer wieder aufbricht und für erhaben-bedrohliche Tiefe sorgt. Die Vocals wechseln zwischen giftigem Gekeife, durchdringendem Gegrowle und bedrohlichem Sprechgesang, was dem Track eine besonders bösartige Note verleiht.

Eine der wohl stärksten, sicherlich aber die verspielteste Nummer der Platte ist Virtue Lies Defeated. Neben herausragender Melodieführung überzeugt sie mit einem überraschenden Clean-Part, starkem Riffing, großartiger Gitarrenarbeit und einer für Blackened Death ungewöhnlichen, aber gelungenen Basslinie.

Auch beim Closer From Darkness Comes Light lassen sich die fünf Jungs nicht lumpen. Der Track überzeugt durch Individualität, drückend-majestätische und fast schon erhabene Melodieführung. Weniger verspielt und eher auf der brutalen Seite, aber mit ebenso starker Instrumentalistik, rundet er ein durchaus gelungenes Album würdig ab.

Fazit:
Ex Tenebris Lux ist ein über weite Strecken starkes und durchdachtes Album, das besonders durch seine Mischung aus technischer Präzision, melodischer Tiefe und strukturierter Brachialgewalt überzeugt. ANIFERNYEN zeigen vor allem in den ersten drei Tracks sowie im starken Mittel- und Schlussteil, wie gut sie Spannungsaufbau, Riffing und Dynamik beherrschen. Einziger Ausreißer bleibt „Fortuna“, das im direkten Vergleich deutlich abfällt und den sonst sehr stimmigen Fluss kurz unterbricht. Davon abgesehen liefert die Band ein vielseitiges und eigenständiges Release, das mit Wiedererkennungswert und handwerklicher Qualität punktet und klar zeigt, wo die Stärken dieser Formation liegen.

Punkte:

Autor: Nicki