Band: VEGAGRAM
Album: Vom Warvm
Genre: Post Black Metal
Trackliste:
01. Intro – Gasgondel
02. Muttersau
03. Omnivor
04. Herz
05. Tierf(r)eind

Mit Vom Warvum betritt VEGAGRAM thematisch einen Pfad, der im Black Metal bislang eher selten beschritten wird. Veganismus und insbesondere der Umgang des Menschen mit Nutztieren stehen im Mittelpunkt und verleihen der EP eine für das Genre ungewöhnliche Perspektive. Dabei wirkt das Thema keineswegs wie ein aufgesetztes Konzept, sondern fügt sich erstaunlich selbstverständlich in die düstere Grundhaltung des Black Metal ein. Schon das Intro schafft eine beklemmende Atmosphäre und bereitet den Boden für das, was anschließend folgt.
Musikalisch bewegt sich Vom Warvum zwischen schleppender Schwere, melodischen Passagen und immer wieder aufbrechender Intensität. Gerade die langsameren Momente entwickeln eine bedrückende Wirkung, die hervorragend zur behandelten Thematik passt. Statt permanent auf Geschwindigkeit und rohe Aggression zu setzen, lässt VEGAGRAM den Songs ausreichend Raum, um ihre Atmosphäre zu entfalten. Gleichzeitig verhindern melodische Elemente, dass die Stücke in monotoner Schwärze versinken. Besonders eindringlich sind die Vocals, die eine enorme Beklemmung erzeugen und einem stellenweise regelrecht unter die Haut gehen. Sie wirken weniger wie bloße Begleitung der Musik als vielmehr wie ein zusätzlicher Bestandteil der bedrückenden Atmosphäre. Trotz der teilweise beträchtlichen Länge bleiben die Songs erstaunlich kurzweilig. Dafür sorgt vor allem der abwechslungsreiche Aufbau, der zwischen Schwere, Melodik und aggressiveren Momenten genügend Bewegung erzeugt. Vom Warvum lebt dabei nicht nur von seiner musikalischen Gestaltung, sondern mindestens ebenso sehr von seinem ungewöhnlichen inhaltlichen Ansatz. Veganismus und Nutztierhaltung sind Themen, die man zunächst vielleicht nicht unmittelbar mit Black Metal verbindet, sich aber hervorragend für dessen kritischen und menschenfeindlichen Blick auf gesellschaftliche Abgründe eignen. VEGAGRAM nutzt diese Perspektive, um der Menschheit auf eine andere Art den Spiegel vorzuhalten. Gerade darin liegt eine der großen Stärken der EP, denn sie zeigt, dass Black Metal thematisch noch lange nicht „durchgespielt“ ist. Auch nach Jahrzehnten lassen sich immer wieder neue Blickwinkel finden, aus denen menschliches Handeln, Gleichgültigkeit und Grausamkeit betrachtet werden können.
Statt bekannte Motive lediglich neu aufzuwärmen, erweitert VEGAGRAM damit den thematischen Horizont des Genres. Musikalische Abwechslung und inhaltliche Konsequenz greifen dabei ineinander und machen Vom Warvum zu einer Veröffentlichung, die mehr zu bieten hat als bloße Provokation.
Anspieltipp: „Muttersau“

Fazit:
Vom Warvm zeigt eindrucksvoll, dass Black Metal auch abseits seiner bekannten Themenwelten genügend Raum für unbequeme Gedanken bietet. Die Mischung aus schleppender Schwere, Melodik, beklemmenden Vocals und atmosphärischer Dichte funktioniert über die gesamte EP hinweg und lässt auch längere Stücke kurzweilig erscheinen. Vor allem aber bringt VEGAGRAM mit Veganismus und Nutztierhaltung einen neuen Blickwinkel ins Genre und beweist damit, dass dessen Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft sind. Solange es menschliche Abgründe gibt, gibt es schließlich auch genügend Möglichkeiten, der Menschheit einen Spiegel vorzuhalten.
Punkte:
Autor: Tom K.
