MORTGRIM – Evangelium Luciferianum (2026)

 

Band: MORTGRIM
Album: Evangelium Luciferianum
Genre: Black Metal
Label: Fetzner Death Records

Trackliste:
01. Majesty of the Morning Star
02. Helel
03. Fornir Andar
04. Dead Tide
05. Eternal Rite
06. Inverted Cross
07. Corpus et Chaos
08. Rotting Souls
09. Lament of Goetia

Mit Evangelium Luciferianum präsentiert das ungarische Black-Metal-Projekt MORTGRIM ein Werk, das sich nur schwer in eine eindeutige stilistische Schublade stecken lässt. Hinter dem Projekt steht Multiinstrumentalist Máté Nagy, der traditionelle Black-Metal-Elemente mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen vermengt. Dabei entsteht ein eigenwilliger Klangkosmos, der zwischen roher Aggression, düsterer Atmosphäre und melodischen Einschüben pendelt. Das Ergebnis ist ein ambitioniertes Album, das durchaus interessante Ansätze verfolgt, seinen Hörern allerdings einiges abverlangt.

Schon der Opener „Majesty Of The Morning Star“ verdeutlicht, dass MORTGRIM wenig Interesse daran hat, ausgetretenen musikalischen Pfaden zu folgen. Eine Mischung aus ungestümem Gepolter, abrupten Breakdowns und melodischen Passagen prägt das Klangbild und sorgt für einen bisweilen unberechenbaren Verlauf. Dabei treffen klassische Black-Metal-Strukturen auf schleppende Doom-Anleihen und gelegentlich beinahe progressive Ansätze. Diese Vermischung unterschiedlicher Stilrichtungen verleiht den Kompositionen einerseits einen eigenständigen Charakter, lässt andererseits aber nicht immer einen nachvollziehbaren roten Faden erkennen.
Insbesondere die Wechsel zwischen rasenden Ausbrüchen und getragenen Melodiebögen sorgen für interessante Kontraste, die allerdings nicht durchgehend harmonisch ineinandergreifen. Stücke wie „Helel“ und „Fornir Andar“ verdeutlichen den experimentierfreudigen Ansatz, der sich konsequent durch das Album zieht. Die Gitarren wechseln zwischen schroffen Riffs, repetitiven Strukturen und atmosphärischen Melodien, während das Schlagzeug immer wieder mit überraschenden rhythmischen Wendungen aufwartet. Gerade diese Unberechenbarkeit macht Evangelium Luciferianum zu einer durchaus fordernden Angelegenheit, die sich kaum beim ersten Durchlauf vollständig erschließt.
Mehrmaliges Hören ist notwendig, um die zahlreichen Details und kompositorischen Ideen entsprechend einordnen zu können. Auch der Gesang trägt seinen Teil zum eigenwilligen Gesamteindruck bei, wobei die stellenweise gewöhnungsbedürftigen Vocals nicht immer mit dem instrumentalen Fundament harmonieren. Die rohe und mitunter beinahe chaotische Darbietung unterstreicht zwar die düstere Grundstimmung, wirkt gelegentlich jedoch eher befremdlich als atmosphärisch bereichernd. Mit „Inverted Cross“ und „Corpus et Chaos“ zeigt sich erneut das Spannungsfeld zwischen kompromissloser Härte und dem Versuch, komplexere musikalische Strukturen zu etablieren. Dabei offenbart MORTGRIM durchaus kompositorisches Potenzial, auch wenn manche Übergänge etwas konstruiert erscheinen und den musikalischen Fluss ausbremsen. Die grundsätzlich interessante Verbindung aus Aggression, Melancholie und experimentellen Elementen funktioniert somit nicht immer in der gewünschten Konsequenz. Dennoch bleibt festzuhalten, dass hinter der gelegentlich sperrigen Fassade zahlreiche Ideen stecken, die dem Album eine gewisse Eigenständigkeit verleihen.

Anspieltipp: „Inverted Cross“

Fazit:
Mit Evangelium Luciferianum liefert MORTGRIM ein ambitioniertes, aber nicht restlos überzeugendes Black-Metal-Album ab. Die ungewöhnliche Mischung aus Gepolter, Breakdowns und Melodien besitzt durchaus ihren Reiz, wirkt in ihrer Gesamtheit allerdings noch nicht vollständig ausgereift. Gerade die gewöhnungsbedürftigen Vocals und manche holprigen Stilwechsel verhindern ein wirklich rundes Hörerlebnis. Wer bereit ist, sich mehrfach mit den sperrigen Kompositionen auseinanderzusetzen, entdeckt jedoch interessante Ansätze und ein Projekt, das zweifellos Potenzial für die Zukunft besitzt.

Punkte:

Autor: Tom K.