Band: CNOC AN TURSA
Album: A Cry For The Slain
Genre: Black/Folk Metal
Label: Apocalyptic Witchcraft Recordings
Trackliste:
01. Na fir Ghorma
02. The Caoineag
03. Cailleach and the Guardians of the Seven Stones
04. Baobhan
05. Am Fear Liath Mòr
06. Alba in My Heart
07. Address to the Devil
08. The Nine Maidens of Dundee

Neun Jahre sind eine lange Zeit für eine Band, die sich dem Erinnern verschrieben hat. In dieser Zeit verschwindet vieles. Namen verblassen, Geschichten werden zu Fußnoten, und selbst das, was einmal als unverrückbare Herkunft erschien, kann fremd werden. CNOC AN TURSA kehren nun mit A Cry For The Slain zurück – einem Album, das sich dieser Vergänglichkeit nicht entgegenstellt, sondern sie zum Ausgangspunkt seiner Musik macht. Schottische Geschichte, Sagen und Gestalten bilden dabei nicht bloß den erzählerischen Hintergrund. Sie sind das Material, aus dem die Musik ihre eigene Sprache formt.
CNOC AN TURSA spielen keinen beliebigen Atmospheric Black Metal mit schottischer Bemalung. Die folkloristische Herkunft dieser Musik muss selten eigens ausgestellt werden. Sie steckt in Melodieführungen, Wendungen und Rhythmen, die sich aus dem Black Metal herauslösen und etwas Älteres anklingen lassen. Das Folkverständnis sitzt tief: in der Art, wie Melodien gebaut werden, wie sie wiederkehren, sich über treibende Rhythmen legen und gelegentlich beinahe den Charakter alter Weisen annehmen. Dadurch besitzt A Cry For The Slain eine erkennbare musikalische Herkunft, ohne sich in folkloristischem Dekor einzurichten. Die Songs besitzen klare Konturen, Hooks, Refrains und wiedererkennbare melodische Zentren. Das macht die Musik unmittelbar zugänglich.
Der erste Hördurchgang bindet die Hörerin sofort: verschiedene Ebenen greifen ineinander, rasender Black Metal, marschierende Schwere, traditionelle Melodieführung, akustische Farben und jene weiten Gitarrenlinien, die immer wieder wie aus einer anderen musikalischen Erinnerung herüberragen. Die Stärke der Songs ist, dass die Elemente für einen Moment dieselbe Sprache sprechen und eine Geschichte erzählen. Wo die melodischen Ideen greifen, entsteht etwas, das weit über die bekannte schottische Atmospheric-Black-Metal-Schablone hinausweist, ja mehr noch: die Herkunft ganz selbstverständlich in sich trägt. Dabei kommen die Schotten gänzlich ohne folkloristische Instrumente aus, faszinierend, wie die Gitarren jene Rollen erfüllen, wo man Dudelsack, Flöte oder Drehleier erwarten würde.
Diese Eingängigkeit hat aber spätestens nach einigen Hördurchgängen eine Schattenseite, eine Schwäche im Songwriting. Die Stärke der Band ist zugleich ihre Grenze. Manche Passagen wirken eher wie Brücken zwischen starken Ideen als wie eigenständige musikalische Gedanken. Wo Melodien nur wiederholt oder funktional verlängert werden, verliert die Dramaturgie an Spannung. Starke musikalische Ideen stehen im Raum, werden aber nicht weiterentwickelt. Manche Übergänge erfüllen vor allem eine verbindende Funktion, manche Refrains bleiben einfacher, als es die melodische Substanz der Band erwarten ließe. Besonders im späteren Verlauf entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass hervorragende Momente neben lediglich guten stehen, anstatt sich gegenseitig weiterzutreiben. Die Musik verliert an innerer Notwendigkeit, verliert den Zauber.

Fazit:
CNOC AN TURSA verbinden Black Metal und schottische Folklore nicht durch Dekoration, sondern durch Melodie, Atmosphäre und Haltung, mit Identität und Authentizität. Nicht jeder Weg, den sie dabei einschlagen, führt bis zum Ende, manche Passagen bleiben zu vorhersehbar. Doch wenn diese Musik ihre Landschaft wirklich betritt, entsteht etwas Eigenes: rau, melancholisch, hymnisch und von jener alten Schwere durchdrungen, die man nicht erklären muss, weil sie längst spürbar ist.
Punkte:
Autor: distelsøl
