Band: GALVANIST
Album: The Silence Between Stars
Genre: Experimental Doom/Death Metal
Label: ATMF
Trackliste:
01. Bornless
02. Atrophy
03. Dreich
04. Hauntology
05. Spiorad

Die US-amerikanische Formation von GALVANIST veröffentlicht mit The Silence Between Stars ihr zweites Album. Fünf Tracks, knapp vierzig Minuten, irgendwo zwischen Blackened Doom und Progressive Death Metal, mit einer Atmosphäre, deren Dichte den Atem raubt.
Verrat, Scheitern, Verletzungen und Narben, Wachstum und Brüche, inneres Erleben und Souveränität, das Hinterfragen von Tradition, das Brechen von Tabus. All das sind Motive der Arbeiten von Georges Bataille, dem französischen Schriftsteller und Philosophen und Inspiration für das musikalische Schaffen von GALVANIST. Falls jetzt jemand vermutet, dass es sich hier um schwere Kost handeln könnte, sei gesagt, dass er nicht ganz falsch liegt, verstehen die Amerikaner doch ‚Reflexion als Folge einer teleologischen Störung der Existenz‚ und nichts anderes ist dieses Album.
Die Musik von GALVANIST eignet sich nicht sauber, musiktheoretisch analysiert zu werden. Freilich kann man das alles tun, und doch wird man damit nicht in der Lage sein, sie zu erfassen. Die unmittelbare Natur der Realität liegt irgendwo zwischen dem Profanen und Heiligen und kann nur durch reflektierende Auseinandersetzung und Erleben erfasst werden. The Silence Between Stars ist ein solcher Erlebensraum. Unter der mattschwarzen Oberfläche liegt Doom, darunter Post-Metal, darunter dissonanter Death Metal, und irgendwo darüber treiben Synthesizer wie kaltes, flackerndes Licht durch eine Atmosphäre ohne Horizont. Die Musik ist mächtig, schwer, lässt Schatten sichtbar werden, aber niemals träge, niemals zäh – vielmehr unangenehm berührend genug, um niemals bequem zu werden.
Lange Stücke von acht bis elf Minuten werden nicht mit bloßer Spielzeit aufgebläht, sondern dramaturgisch entwickelt. Riffs wechseln ihre Funktion, Tempi verschieben die Perspektive, und rhythmische Brüche wirken als notwendige Verschiebungen der Dramaturgie. Ein langsamer Doom-Part kippt in eine wuchtige Sequenz, bevor Blastbeats oder ein schneidendes Gitarrenmotiv die zuvor aufgebaute Schwere wieder aufreißen. Die Übergänge sind mitunter abrupt, aber stets organisch, die Dynamik fesselnd.
Dabei kann es durchaus passieren, dass sich die Hörerin im Klangraum verliert. Der Sound hat eine bemerkenswerte räumliche Qualität. Die Gitarren bilden keine Flächen, sondern gewinnen durch unterschiedliche Texturen und winzige Dissonanzen an Kontur und Volumen. Synthesizer und Piano füllen und öffnen darüber Räume, die weniger nach klassischer Atmosphäre als nach fremder Umgebung klingen. Das ist Musik, die zugleich erdet und entgrenzt: ein Fuß im Schlamm, der andere irgendwo jenseits der Atmosphäre. Die Instrumente haben Luft zum atmen, gleichwohl erzeugen sie eine beklemmende Dichte – gerade über Kopfhörer ein Hörerlebnis, in dem die feineren Schichten sich erst richtig entfalten.
The Silence Between Stars bedient sich der Qualitäten unterschiedlicher Genres: Black Metal liefert Kälte und Dissonanz, Doom die Schwere und Dichte, Death Metal die körperliche Gewalt, Post-Metal die langen Spannungsbögen und im Hintergrund wirkt Komplexität des Progressive- GALVANIST nehmen diese Bestandteile auseinander und setzen sie zu etwas ganz Eigenem zusammen.

Fazit:
GALVANIST gelingt mit The Silence Between Stars ein ganz außergewöhnliches Album. Dichte Atmosphäre, beeindruckende Dramaturgie, komplexes Songwriting und nicht zuletzt Könner an den Vocals und den Instrumenten. Das Album ist ein Erlebensraum, der in den ersten Sekunden berührt und die Hörerin für 40 Minuten nicht loslässt.
Punkte:
Autor: distelsøl
