Band: ILDARUNI
Album: Divinum Sanguinem
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Black Lion Records
Trackliste:
01. Mithras Alone Is My Wreath
02. The Ascension of Kosmokrator
03. Of Nomos and Flaming Flint Stone
04. Forged with Glaive and Blood
05. Zurvan Akrane
06. Arcane Sermon
07. Immersion into Empyrean
08. Scorching Pathways to Samachi
09. Divinum Sanguinem

ILDARUNI – Divinum Sanguinem
Pagan-/Folk-Black-Metal war gestern. Mit ihrem zweiten Album Divinum Sanguinem wagen die Blacker aus Armenien einen mutigen Schritt und wechseln von ihrem folkigen, atmosphärischen Stil in härtere Gefilde. Sie kommen rauer und klassisch blackiger daher, wenn auch unverändert atmosphärisch und mystisch, mit ihrer düsteren und dynamischen Grundstimmung, die seit jeher für die 2016 gegründete Partie üblich ist.
Schon der Opener „Mithras Alone Is My Wreath“ startet mit orientalisch-ritueller Atmosphäre, die durch die geschickt in den Hintergrund gemasterten Drums nur noch verstärkt wird, bevor es in „The Ascension of Kosmokrator“ nach gefährlichem Tremolo-Einstieg voll zur Sache geht. Mittleres Tempo, beißend hexisches Gekeife und eine eingängige Melodieführung sind nur einige Highlights der irrsinnig starken Nummer, die ihre Atmosphäre hauptsächlich durch die vielen Wechsel in Takt und Tempo sowie durch den ein oder anderen geschickt gesetzten Break erzeugt.
Eine ähnliche Gangart mit rituell beschwörendem Charakter schlägt auch „Of Nomos and Flaming Flint Stone“ ein, auch wenn die Nummer zwei der Platte dem Opener schon sehr ähnlich ist und hier schwer zu definieren ist, wann welcher Song beginnt.
Fans von OLD MAN’S CHILD werden „Forged with Glaive and Blood“ lieben. Düstere Schwere, gepaart mit klassischer Rohheit und einer gewissen Tiefe, die nicht zuletzt durch die hier technisch etwas komplexere Arbeit an den Leads entsteht – auch wenn der dämonisch rituelle Vibe komplett erhalten bleibt.
Klassisch rauer und aggressiver kommen „Zurvan Akrane“ und „Arcane Sermon“ daher. Weniger technisch als der Vorgänger, doch mit einzigartigem Tiefgang, der durch die geschickt gesetzten Tremolos, die Reiterbeats und die dichten Gitarrenriffs im Wechsel mit ruhigeren, melodischeren und beschwörerischen Parts entsteht und so für eine tiefe und satanische Atmosphäre sorgt.
Dramatisch, melodischer und auch etwas ruhiger geht’s in „Immersion into Empyrean“ zur Sache. Der mit Abstand harmonisch schönste und technisch aufwendigste Track der Platte wartet mit großartigen Leads, hervorragender Basslinie und einzigartigem Drumming auf und holt sich seine beeindruckend düstere und dramatische Stimmung über Technik und nicht über infernalisches Gekeife vor eisigem Geballer.
Ein Muster, das sich auch in der vorletzten Nummer „Scorching Pathways to Samachi“ wiederholt, auch wenn’s hier mit gefühltem 450er-Blast und giftig kratzigem Riffing ordentlich zur Sache geht und sich nur durch den ein oder anderen Cleanpart unterbricht. An dieser Stelle ein Wort zum Mastering, denn dieses fällt hier besonders auf, da es zeigt, dass klassisch rauer Black Metal nicht unbedingt nach Fisher-Price-Kassettenrecorder klingen muss und es durchaus erlaubt ist, alle Instrumente und Soundelemente hörbar zu lassen.
Der Closer „Divinum Sanguinem“ vermittelt ein Gefühl von Raserei und Schwere, was nicht zuletzt an der Tremolo-gepickten Leadgitarre, dem in sich rohen Riffing mit durchgehend gleichem Rhythmus und der wütend keifenden Voice, sondern vielmehr am durchdachten Songaufbau aus wütenden Ausbrüchen und melodischen Tiefen liegt und schließt eine in sich runde und durchdachte Platte mit einem gewissen Gefühl erhabener Würde und Traurigkeit ab.

Fazit:
Divinum Sanguinem ist ein mutiger Schritt weg vom rein folkig-atmosphärischen Pagan-Black hin zu raueren, klassisch blackigeren Gefilden, ohne dabei den mystischen und rituellen Kern von ILDARUNI zu verlieren. Die Platte lebt von ihrer düsteren Grundstimmung, den melodisch-beschwörenden Elementen, starkem Riffing und einer Atmosphäre, die sich irgendwo zwischen Raserei, Schwere und erhabener Melancholie bewegt.
Nicht jede Nummer hebt sich klar genug von der nächsten ab, und gerade im ersten Drittel verschwimmen die Grenzen stellenweise etwas. Dafür überzeugen die Armenier mit starkem Songaufbau, durchdachter Gitarrenarbeit, gelungenem Mastering und genug Eigenständigkeit, um nicht einfach nur nach klassischem Black Metal von der Stange zu klingen.
Punkte:
Autor: Nicki
