ARCHAIC OATH – Determined To Death And Beyond (2026)

 

Band: ARCHAIC OATH
Album: Determined To Death And Beyond
Genre: Black Metal
Label: AOP Records

Trackliste:
01. Above the Ice
02. Wrath of the Witches
03. Forest of Horrors
04. Requiem for a Doomed Soul
05. Abysmal Ascent
06. Path of Penitence
07. Into the Temple of Light
08. Ye Entrancemperium (Emperor cover)

Mit Determined To Death And Beyond legen ARCHAIC OATH ihr Debütalbum vor und betreten damit einen Pfad, der tief in den verschneiten skandinavischen Wäldern beginnt. Das belgische Duo, bestehend aus Musikern mit langjähriger Erfahrung in der extremen Metalszene, schafft einen melodischen Black Metal, der unverkennbar von den schwedischen Größen der Neunziger geprägt wurde. Veröffentlicht wird über das renommierte Label AOP Records, was für sich alleine ja schon eine gewisse stilistische Einordnung erlaubt. Das Album verbindet über die 8 Songs mit einer Gesamtlaufzeit von 46 Minuten traditionelle Ästhetik mit erzählerischem Anspruch und einem starken Fokus auf Atmosphäre.

ARCHAIC OATH erschaffen bereits mit den ersten Takten eine frostige, von Einsamkeit durchzogene Welt, in der die Grenzen zwischen äußerer Landschaft und innerem Erleben zunehmend verschwimmen. Die Hörerin findet sich in einer Szenerie wieder, die von nächtlichen Wäldern, gefrorenen Ebenen und uralten Symbolen geprägt wird. Diese Bilder dienen jedoch nicht bloß dekorativen Zwecken, sondern fungieren als Spiegel einer Reise durch Angst, Zweifel und Selbstüberwindung.
Wiederkehrende lyrische Motive wie Dunkelheit, Tod und Transzendenz zeigen sich wie Stationen auf einem Weg eines Wanderers, der sich nachdenklich-meditativ, aber immer auch explorierend weiter in unbekannte Regionen vortastet.
Musikalisch orientieren sich ARCHAIC OATH deutlich an der Tradition des schwedischen melodischen Black Metal. Rasende Tremolo-Riffs bilden das Fundament vieler Passagen, während weit ausgreifende Leadgitarren für die eigentliche emotionale Tiefe sorgen. Die Melodien stehen dabei klar im Vordergrund. Sie transportieren nicht nur Kälte und Aggression, sondern vor allem Melancholie und Sehnsucht. Immer wieder entstehen Momente, in denen die Musik weniger nach Kampf als nach Fernweh klingt – als würde sie den Blick über vereiste Horizonte schweifen lassen.
Die Riffs besitzen die typische Black Metal-Schärfe, gleichzeitig entfalten die melodischen Linien eine epische Weite, die den Kompositionen Tiefe verleiht. Dabei weichen die beiden Belgier der Versuchung und vielleicht sogar der Falle aus, sich zu stark auf Nostalgie verlassen. Zwar sind die Einflüsse unüberhörbar, werden charakteristische Elemente aufgegriffen, aber es entsteht ein eigenständiges Klangbild. Die Kompositionen entwickeln sich organisch und bieten den Rahmen der Dramaturgie der Wanderung: Themen tauchen auf, verändern sich und kehren später in anderer Gestalt zurück. Es entsteht das Gefühl von Bewegung, was die Atmosphäre zusätzlich verdichtet.
An der einen oder Stelle vermeint man Elemente herauszuhören, die aus dem Death Metal stammen und eine gewisse Schwere, Druck und Körperlichkeit vermitteln, ohne aber die melodische Ausrichtung zu überdecken. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck, indem sie ausreichend Klarheit bietet, um die melodischen Feinheiten hervorzuheben, zugleich aber die, der Atmosphäre angemessene, Rauheit bewahrt. ARCHAIC OATH setzen nicht auf spektakuläre Experimente oder überraschende Stilbrüche. Stattdessen vertrauen sie auf starke Melodien, sorgfältig aufgebaute Spannungsbögen und eine klare künstlerische Idee. Das macht Determined To Death And Beyond zu einem Album, das seine Wirkung nicht durch einzelne Höhepunkte entfaltet, sondern durch die Gesamtheit seiner Stimmung, wenn es auch nicht auf große Innovation setzt.

Fazit:
Mit Determined To Death And Beyond gelingt ARCHAIC OATH ein solides, atmosphärisch geschlossenes Debüt, das sich an der Tradition orientiert, ohne in bloßer Rückwärtsgewandtheit zu verharren. Die Verbindung aus frostiger Atmosphäre, melancholischen Melodien und mystischer Lyrik verleiht dem Album eine starke Identität. Besonders die dichte Stimmung und die durchgehend hohe Qualität des Songwritings sorgen dafür, dass die Musik lange nachhallt. Wer nach Innovation im eigentlichen Sinne sucht, wird hier kaum fündig werden. Wer jedoch eine eindringliche Reise durch eisige Landschaften und innere Abgründe erleben möchte, findet in diesem Album einen überzeugenden und atmosphärisch starken Begleiter.

Punkte:

Autor: distelsøl