THE CRESCENT´S CALL – The Call (2022)

 

Band: THE CRESCENT´S CALL
Album: The Call
Genre: Symphonic Folk/Death Metal

Trackliste:
01. Intro
02. Attack on Tilusian
03. Interlude 1
04. By My Sind
05. Interlude 2
06. Fly into Death
07. Interlude 3
08. The Call
09. Interlude 4
10. Metamorphosis
11. Interlude 5
12. The Last Revolt

Hier handelt es sich um ein Debutalbum aus Oberösterreich. Folk Metal ist ein seltenes Genre, das schwer wirklich gut umzusetzen ist. Gerade durch die vielen melodischen und orchestralen Elemente wirkt schnell etwas überladen oder unausgeglichen. Umso gespannter war ich auf The Call. Außerdem ist die Band female fronted, wobei vor allem der Gesang eine der großen Stärken des Albums darstellt.


„Attack on Tilusian“ zeigt bereits sehr gut, wohin die Reise geht. Gute Screams, starker Clean-Gesang und generell ein rhythmisches, modernes Songwriting. Musikalisch bewegt sich das Ganze eher in die keltische Richtung und erinnert teilweise an ELUVEITIE. Die Melodien von Violine, Cello und Synths funktionieren sehr gut miteinander und die Stärken der Band werden hier bereits deutlich sichtbar. Der Songaufbau bleibt zwar relativ klassisch, passt aber gut zu diesem Stil.
„By My Mind“ wirkt stellenweise etwas schräg und eigenwillig, erinnert an einigen Momenten aber durchaus an die alten Sachen von SKYCLAD, also dieses stark irisch-keltische Feeling kombiniert mit härteren Metal-Riffs.
„Fly into Death“ geht wieder sehr stark in diese irisch angehauchte Richtung, bringt aber zusätzlich progressive Elemente hinein, die teilweise an CELLAR DARLING erinnern. Überhaupt dauert es ein wenig, bis man sich an den Sound des Albums gewöhnt hat, weniger an die Songs selbst, sondern eher an den Mix. Grundsätzlich höre ich Schwächen im Mastering. Man sollte sich das Album unbedingt über gute Kopfhörer oder vernünftige Boxen anhören.
„The Last Revolt“ ist für mich klar das stärkste Stück des Albums. Der Song hat ein gutes Finale, starke Melodien, Blastbeats und sogar einen Breakdown. Vor allem die Melodien funktionieren hier hervorragend. Gleichzeitig fallen mir aber gerade in diesem Song die Schwächen der Rhythmussektion etwas stärker auf. Manche Drum-Fills und Übergänge wirken rhythmisch nicht ganz sauber oder leicht daneben.
Über das gesamte Album hinweg hört man viele Einflüsse bekannter Folk-Metal-Bands heraus, besonders aber auch Elemente, die an das erinnern bei dem Anna Murphy mitgewirkt hat. Das funktioniert insgesamt auch wirklich gut. Teilweise wirkt das ganze etwas holprig, aber gerade in diesem Genre ist es schwierig, die Balance zwischen technischen Arrangements, Folk-Melodien und Härte sauber umzusetzen. Solche Probleme fallen mir auch bei anderen Underground-Folkbands immer wieder auf.
Vor allem bei technisch komplexeren Stellen merkt man, dass die Rhythmussektion nicht immer ganz tight eingespielt wirkt. Gerade bei „Metamorphosis“ hört man das meiner Meinung nach besonders gut. Unter den ohnehin schon sehr präsenten Melodien läuft hier ein extrem komplexer rhythmischer Part, bei dem die Drums stellenweise hörbar nicht ganz sauber sitzen. Gleichzeitig ist das Positive daran aber, dass die Aufmerksamkeit meistens ohnehin von den starken Melodien und dem Gesang getragen wird. Genau dort liegt auch die größte Stärke des Albums: Dieses dichte Zusammenspiel aus Violine, Cello und dem wirklich gelungenen Gesang funktioniert hervorragend. Sowohl die Growls und Screams als auch der cleane Gesang überzeugen mich sehr.

Fazit:
The Call ist ein gelungenes Debütrelease und insgesamt ein gutes Folk-Metal-Album. Für Fans von irisch oder keltisch beeinflusstem Folk Metal ist das definitiv empfehlenswert. Die Band versucht teilweise sehr technische und komplexe Arrangements umzusetzen, was nicht immer ganz sauber funktioniert und was die Songs auch gar nicht unbedingt brauchen meiner Meinung nach. Gleichzeitig passiert dadurch aber ständig etwas Interessantes und das Album bietet viele Details, starke Melodien und einen herausragenden Gesang.
Besonders erwähnenswert sind außerdem die aufwendig und professionell produzierten Musikvideos. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Songs live sehr gut funktionieren. Trotz einiger Schwächen in der rhythmischen Präzision macht das Album definitiv Lust auf weitere Releases der Band.

Punkte:

Autor: Ossian Gratzer