Band: ENDLYSET
Album: Eyes Inside
Genre: Black Metal
Trackliste:
01. Eyes Inside
02. Undergång
03. Skuggsjälar
04. The Curse
05. Förnimmelser
06. Endlyset
07. I Nattens Våld

Das schwedische Duo von ENDLYSET legen im sechsten Jahr ihres Bestehens ihr zweites Album vor. Knapp 36 Minuten schwedischer Black Metal angesiedelt zwischen roher Substanz, atmosphärischer Ausdehnung und jener kühlen Zurückhaltung, die skandinavische Veröffentlichungen dieser Spielart so oft prägt. Das Album Eyes Inside kündigt den reflektierend, introspektiven Abstieg in die dunklen Zonen des Seins an: Misanthropie, Tod, innere Leere. Große Worte, vertraute Motive. Die Frage ist nicht, ob Dunkelheit vorhanden ist – sondern welche Art von Dunkelheit die Hörerin vereinnahmen wird.
Der erste Durchgang beginnt mit Erwartung. Man zieht sich zurück, schließt die Tür, lässt Raum für Kälte. Doch was sich entfaltet, ist weniger Nacht als Zwielicht. Kein Sturz, kein jäher Abgrund, sondern eine anhaltende Dämmerung, gleichmäßig, beinahe vorsichtig. Der Sound ist flach, was im Underground-Kontext nicht überrascht, doch die fehlende Tiefe ist hier Limitierung. Die Gitarren dominieren das Bild, bleiben jedoch unnahbar. Die Drums sind klar gezeichnet, aber ohne Gewicht – sie tragen, drücken jedoch nicht. Es stellt sich emotionale Distanz ein.
Mit „Undergång“ rückt der Bass ins Zentrum. Endlich eine Linie, an der sich der Klang orientiert. Er zieht sich wie ein dunkler Faden durch den Song, strukturiert, hält zusammen, was sonst zu zerfließen droht. Und tatsächlich: Der Bass bleibt über das gesamte Album hinweg das prägnanteste Element, das verlässlichste Signal im Halbdunkel. Die Riffs hingegen wirken austauschbar, die Drums funktional, die Vocals schemenhaft – mehr Ahnung als Präsenz. Nicht schlecht. Nicht begeisternd. Auch hier: Dämmerung.
Mit „Skuggsjälar“ oder auch „Förnimmelser“ ändert sich die Atmosphäre etwas. Leadgitarren treten hervor, Melodien schimmern kurz auf wie Eis unter dünnem Schnee. Die Vocals verlassen stellenweise das vertraute Keifen, versuchen sich an getragenen, beinahe beschwörenden Passagen. Doch auch hier bleibt alles in der Schwebe: nicht intensiv genug, um wirklich zu fesseln, nicht schräg genug, um zu verstören. Das Rohe bleibt gezügelt, das Atmosphärische zu blass, um wirklich Tiefe zu erzeugen. Gegen Ende, mit „Endlyset“ und „I Nattens Våld“, gelingt das Verschmelzen von Atmosphäre und Rohheit besser. Die langen Intros schaffen Raum, Spannung, eine Ahnung von Raum und Landschaft. Wenn das Rohe hier einsetzt, wirkt es organisch, nicht aufgesetzt. Zum ersten Mal greifen Atmosphäre und Härte ineinander, ohne sich gegenseitig zu neutralisieren – als hätte das Album diesen Punkt erst erreichen müssen.
Ich gestehe zu: ENDLYSET haben eine eigene Soundsignature, eine eigene Stilistik, eine eigene Stimmung. Der prägnante Bass bleibt das ganze Album hinweg die zentrale Orientierungslinie, an dessen Klarheit sich der Sound entwickelt. Die Drums stehen weniger für Dynamik als für die Stabilität, den struktur- und halt gebenden Stützapparat der Songs. Die Vocals sind vielseitig zwischen gebrummelten Lauten über auf ihre Art eigenständigen, getragenen Passagen bis hin zu bissigen Keifen.
Auch wenn die Erwartungen – und das ist zweifellos ausschließlich Sache des Autors – nicht erfüllt werden, bekommt man es mit solider Kost zu tun. Nichts Aufregendes, weder im positiven noch im negativen Sinn, aber auch nicht schlecht.

Fazit:
ENDLYSET versprechen nordisch kühlen Black Metal zwischen Rohheit und Atmosphäre. Dieses Versprechen wird nicht gebrochen, aber auch nicht eingelöst. Erst gegen Ende fügt sich das Konzept zu etwas Greifbarem. Was bleibt, ist ein Album mit eigener Handschrift, einzelnen starken Momenten und viel ungenutztem Raum. Solide, hörbar, respektabel. Eyes Inside bleibt über weite Strecken solide, kontrolliert, zurückhaltend – und genau darin liegt seine Schwäche.
Punkte:
Autor: distelsøl
