Band: SÍR
Album: Unreachable Mountain
Genre: Doom Metal
Label: Sun & Moon Records
Trackliste:
01. Last DAys
02. Unreachable Mountain
03. Good Old Hatred
04. Immersing Intoxicated

Unreachable Mountain ist das 2020 veröffentlichte zweite Album des ungarischen Doom-Solo-Projekts SÍR. Und wenn Unreachable Mountain eines ist, dann Doom in Reinkultur – mit all seinen extrem langsamen Stärken und ebenso langsamen Schwächen. Doch diese wollen wir im Laufe des Reviews genauer beleuchten.
Zu Beginn ein paar Worte zum Sound und zur Produktionsqualität. Auch wenn es sich hierbei um ein reines Solo-Projekt handelt, kann sich der Klang insgesamt durchaus hören lassen. Unreachable Mountain wirkt in seiner Gesamtwirkung eher wie eine ausgedehnte EP als ein vollwertiges Album, was jedoch überraschend gut zur dichten, nebligen Atmosphäre passt. Die Produktion ist bewusst minimalistisch gehalten, was dem Album eine gewisse Kargheit verleiht, die zu seiner Melancholie beiträgt. Als erstes Manko fallen jedoch die etwas dünn wirkenden Clean-Vocals auf, die nicht immer die nötige Präsenz besitzen. Das eigentliche Kernproblem liegt jedoch im Songwriting, das trotz erkennbarer Kreativität nicht durchgehend zu überzeugen vermag. SÍR präsentiert zwar für ein Doom-Album eine beachtliche Portion Abwechslung, verstrickt sich aber zugleich immer wieder in der eigenen, schwerfälligen Langsamkeit. Einige Songabschnitte bauen sich atmosphärisch stark auf, verlieren jedoch an Wirkung, weil sie zu lange auf derselben Stimmung verharren. Die düsteren Gitarrenlinien erzeugen zwar eine eindringliche Grundstimmung, doch fehlt es gelegentlich an dynamischen Impulsen, um diese Spannung über die gesamte Laufzeit zu tragen. Besonders die langen, getragenen Zwischenteile könnten von etwas mehr strukturellem Kontrast profitieren. Die Clean-Vocals müssen erneut hervorgehoben werden: Sie tragen zwar grundsätzlich zur Variation bei, wirken jedoch oft zu zurückhaltend und können die emotionale Tiefe der Instrumentierung nicht immer transportieren. Die harschen Vocals, die seltener eingesetzt werden, funktionieren hingegen deutlich besser und verleihen den Stücken spürbare Intensität. Insgesamt entsteht eine Atmosphäre, die gleichermaßen bedrückend wie faszinierend ist, jedoch hin und wieder an ihrer eigenen Schwere zu scheitern droht.

Fazit:
Auch wenn SÍR mit Unreachable Mountain ein hohes Maß an Abwechslung bietet, verstrickt sich das Projekt dennoch zu sehr in den eigenen Genre-Konventionen und kann darum nicht vollends überzeugen. Man könnte sogar die ungewöhnliche Aussage treffen, dass das Album selbst für Doom-Verhältnisse stellenweise zu langsam wirkt. Daher richtet sich das Werk vor allem an eingefleischte Fans des Genres.
Punkte:
Autor: Georg Günthör
