Band: NIGREDO
Album: Grimoire Timeless Death
Genre: Black Metal
Label: Schattenkult Produktionen
Trackliste:
01. Called From The Shadows
02. Vinnum Sabbati
03. 13th Gate Of The Void
04. Into The Darkness
05. Solved et Coagvla
06. Requiem
07. Triumph Of The Black Sea
08. October Fallen

Ebenfalls unter dem Banner von Schattenkult Productions gelangt das 2021 erschienene Debüt der chilenischen Zwei-Mann-Formation NIGREDO nun an die Ohren des europäischen Black-Metal-Liebhabers – und auch dieser wird bei diesem vielversprechenden Release nicht enttäuscht. Der acht Tracks starke Longplayer ist vollgepackt mit 300er Blasts, dunklen, ungewöhnlich dissonanten Harmonien, die teils fast unorthodox wirken, mit dem glorreichen Geist des guten alten 90er Blacks und mit gekonnter Melodieführung, die Atmosphäre und Tiefe schafft.
Der Opener „Called from the Shadows“ ist ein dreiminütiger Soundteppich, der den Hörer mental auf das vorbereitet, was folgt: „Vinnum Sabbati“. Die druckvolle Nummer startet genau mit jenem Spirit der zweiten Welle, den viele der älteren Generation so schätzen. Nach einem kräftigen Einstieg mit Gitarre und gerader Basslinie geht der Track im Stil von Gorgoroth oder Absu in die Vollen, nimmt über mehrere Bridges Fahrt auf und klingt nach melodisch-ethischem Sprechgesang getragen und ruhig aus. Bemerkenswert ist, dass trotz des rohen Masterings die hervorragende Melodieführung und harmonische Struktur vollständig erhalten bleiben.
Nicht anders verhält es sich mit „13th Gate Of The Void“ – ein Stück, das ganz im Stil der Großen der zweiten okkulten Welle und stark Gorgoroth-geprägt daherkommt. Die rasant schnelle Nummer überzeugt mit gekonnt gesetzten Tempiwechseln und starkem Riffing, das neben düsterer, fast nordischer Kälte auch die nötige Abwechslung bringt, die bei Alben dieser Art unerlässlich ist.
Mit „Into the Darkness“ verlassen NIGREDO die Gorgoroth-Schiene und springen auf den Marduk-Zug auf. Wie die altehrwürdigen Okkult-Blacker aus Schweden setzen sie auf klassisches Tremolo-Picking, rasante Blastbeats und bissig-giftiges Riffing über eiskalten Vocals.
Kalt, höhenlastig und mit schneidendem, kaum variablem Schlagmuster zeigt sich „Solved Et Coagvla“. Die Nummer wirkt fast wie eine Hommage an die 90er und deren Größen – gut gemacht, keine Frage, aber zu sehr in altbekannten Strukturen verhaftet, wodurch sie an Individualität und Wiedererkennungswert verliert.
Der Folgetrack „Requiem“ dient als instrumentaler Übergang für den Stilbruch, der unerwartet kommt – und die sonst so geradlinige Platte plötzlich aufwertet. Wäre der Vorgänger nicht gewesen, würde „Triumph Of The Black Sea“ wohl wie ein Fremdkörper wirken. Durch die geschickt gesetzte Überleitung wirkt die scharfe, abwechslungsreiche Nummer mit ihren extremen Takt- und Tempowechseln aber unglaublich stimmig und fügt sich perfekt in den Albumkontext ein. Zwar fehlt auch hier die ausgefallene Arbeit an der Leadgitarre, doch gelingt es NIGREDO, eine tiefdüstere, beklemmende Stimmung zu schaffen.
Der Closer „October Fallen“ führt genau diese Stimmung fort – eine Atmosphäre, für die es wohl nur einen Begriff gibt: Black Metal Eleganz. Takt- und Tempowechsel, eisiges Riffing und giftig-hexisches Gekeife hinterlassen eine bedrückende, kalte Tiefe bei mittlerem Tempo. Ein würdiger Abschluss, der ein in sich schlüssiges und gelungenes Album stilvoll abrundet.

Fazit:
Grimoire Timeless Death trägt ohne Zweifel den Geist der alten Schule in sich – roh, kompromisslos und mit jener okkulten Schwere, die den 90er Black Metal geprägt hat. NIGREDO schaffen es, Atmosphäre und Härte überzeugend zu vereinen und den Hörer mit klassischer Struktur und ritueller Kälte zu fesseln.Trotzdem fehlt der Platte das gewisse Merkmal, das sie aus der Masse hervorheben würde. Die Songs sind solide komponiert, wirken handwerklich sauber, bleiben aber zu sehr in vertrauten Mustern verhaftet. Gerade die eher einfache Arbeit an den Instrumenten lässt den Funken nicht ganz überspringen – zu viel davon hat man in ähnlicher Form schon gehört. So bleibt Grimoire Timeless Death ein respektables, stilistisch treues Werk, das seine Stärken in Atmosphäre und Authentizität hat, aber wohl nur bei eingefleischten Traditionalisten wirklich haften bleibt.
Punkte:
Autor: Nicki
